Meiner Philosophie des Übersetzens liegt der Begriff der Blackbox zugrunde, wie ihn die Psycholinguisten verwenden. Der Begriff entstammt den Anfängen der Fotografie: In dem 'schwarzen Kasten' wurde auf eine für den Nichteingeweihten mysteriöse Weise Licht auf ein Trägermedium, die Fotoplatte, gebannt; das Immaterielle verwandelte sich in etwas Fassbares, ohne dass der visuelle Eindruck verloren ging. Die Psycholinguistik entlieh den Terminus, um jenen Vorgang im menschlichen Gehirn zu beschreiben, bei dem Sprache in bildliche Vorstellungen verwandelt wird und umgekehrt.
Eine gelungene Übersetzung erfordert denselben zweifachen Blackbox-Vorgang: die Dekodierung sämtlicher im Originaltext vorliegender Informationen in ein mentales Bild und die anschließende erneute Kodierung dieses Bildes in der Zielsprache. Nur auf diese Weise lässt sich eine von der Ausgangssprache losgelöste, akzentfreie Übersetzung erstellen. Das Ergebnis ist ein Text, der sich liest, als sei er von vornherein in der Zielsprache abgefasst worden - ein Anspruch, den ich an jede meiner Übersetzungen stelle.
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